|
Stadt und Schloß Hülchrath
Hülchrath leitet seinen Namen von einer Rodung im Bereich des Gillgaus
ab.1120 ist der Name „Holkerode“, 1206 der Name „Hilkerode“ urkundlich belegt.
Beide Formen gehen wahrscheinlich auf einen Personennamen Holko
oder Hilko zurück. Der Gillgau selbst wird schon 962 erstmals urkundlich
erwähnt.
Der Graf des Gillgaus errichtete seine Burg nahe dem Gillbach wahrscheinlich
bereits im 11. Jahrhundert zur Verteidigung seines Gebietes auf
einer Motte. Schon 1120 wird sie als „sehr alte und stark befestigte
Burg“ erwähnt. Damit ist Schloss Hülchrath über 100 Jahre älter
als das Alte Schloss in Grevenbroich.
Nachdem die Grafen von Hülchrath ausgestorben waren, wechselte das Schloss
häufig seine Besitzer. 1275 heiratete Dietrich Luf I Lisa, die Witwe
des Grafen Heinrich von Kessel aus Grevenbroich. Schon unter seiner
Herrschaft erhielt der Ort Hülchrath Stadtrechte. Damit trägt Hülchrath
als ältester Stadtteil von Grevenbroich bis heute den Titel „Stadt“.
Der Sohn Dietrich Luf II verkaufte 1314 seine Besitzungen mit dem
Schloss aus Geldnöten an den Kölner Erzbischof Heinrich von Virneburg.
Der Kölner Erzbischof, der sowohl Bischof als auch Landesherr (Kurfürst)
war, sicherte sich mit dem Kauf die Verbindung von Köln zu seinen
Besitzungen in Neuss, Kempen und Frimmersdorf (Hochstaden) und bildete
ein Bollwerk gegen die Grafen von Jülich-Kleve-Berg mit Amtssitz
in Grevenbroich.
Hülchrath selbst wurde Amt mit Gerichtssitz, das von einem Amtmann verwaltet
wurde. Hier wurden zwischen 1590 und 1630 Hexen- und andere Gerichtsprozesse
durchgeführt. Nicht selten wurden Kölner Bürger in Hülchrath abgeurteilt
und mit dem Tode bestraft. Noch heute sagt ein Kölner Sprichwort:
„Wer in Hülchrath geht über die Brück‘, kommt selten oder nie zurück“.
Die Gerichtsstätte lag außerhalb des Ortes auf den Specker Stöcken,
im Schloss befand sich ein Gefängnis.
Um 1323 wurde die Burg ausgebaut und mit Wall und Graben ausgestattet.
Der Ort lag bis zum Ende des 16. Jahrhunderts nicht an seiner heutigen
Stelle, sondern vor dem alten Torturm der Vorburg, heute Atelier
und Wohnung des Künstlers Matthias Hintz. Auf Stichen von Braun-Hogenberg
und Merian ist die ursprüngliche Lage des Ortes gut zu erkennen.
1583 trat der Kölner Erzbischof Gebhard Truchseß von Waldburg zur Augsburger
Religion über, heiratete Agnes von Mansfeld und zog sich mit ihr
auf Schloss Hülchrath zurück. Da er seine Funktion als Landesherr
behalten wollte, und Köln protestantisch zu werden drohte, bekam
das Ereignis politische Auswirkungen. Von Papst und Kaiser unterstützt,
beauftragte das Kölner Domkapitel Chorbischof Friedrich von Sachsen-Lauenburg
mit der gewaltsamen Vertreibung des Erzbischofs. Im sog. Truchseß’schen
Krieg wurde das Schloss nach siebentägiger Belagerung und Beschuss
am 16. März 1583 eingenommen und die Bewohner vertrieben. Das Schloss
wurde dabei schwer beschädigt, der alte Ort Hülchrath vollkommen
verwüstet.30 Jahre später wurde er an seiner heutigen Stelle neu aufgebaut. Sein
quadratischer Grundriss ist noch gut zu erkennen, insbesondere durch
die Straßenführung und die Aufteilung der Gärten.
Bewohner für den neu entstandenen Ort (Hülchraths zweite Gründung) wurden
angeworben. Sie erhielten für diese Besiedlung besondere Freiheiten
und Privilegien. Außerdem achtete man darauf, dass viele gesellschaftlichen
Schichten vertreten waren.Im 30jährigen Krieg wurden Schloss und Ort mehrfach belagert und zerstört,
auch danach war die Burg immer wieder feindlichen Angriffen ausgesetzt.
Die Schloss-Anlage verfiel immer mehr und wurde im östlichen Teil
zur Ruine.
Es waren die Franzosen, die 1794 das Kurfürstentum Köln auflösten und
die 500-jährige Herrschaft der Fürstbischöfe von Köln beendeten.
1803 erwarb die Familie von Pröpper Schloss Hülchrath und bewohnte
es bis 1900.Da es im Lauf der Jahrhunderte in Köln immer wieder Judenprogrome gegeben
hatte, wurden viele jüdische Mitbürger aus der Stadt vertrieben
und siedelten sich im kölnischen Hülchrath an. So entstand im Laufe
der Zeit eine jüdische Gemeinde, deren Mitglieder in Hülchrath sehr
geachtet waren. Christliche und jüdische Bewohner lebten hier bis
zur Zeit des Nationalsozialismus einträchtig zusammen, was sich
noch heute an vielen christlichen und jüdischen Symbolen an den
Hülchrather Häusern manifestiert. Im 19. Jahrhundert errichteten
die Juden in Hülchrath ein Gebetshaus, das durch Verkauf von der
Zerstörung bewahrt blieb und vor wenigen Jahren aus Privathand von
der Stadt Grevenbroich angekauft und als Kultur- und Begegnungsstätte
„Ehemalige Synagoge“ restauriert wurde.
Das Schloss wechselte mehrfach den Besitzer: 1912 erhielt es zeitgleich
mit dem Bau der neuen Sebastianuskirche neue Anbauten und einen
neoromanischen Innentrakt im Bereich des Schlosshofes.Der erste Weltkrieg verhinderte, dass Hülchrath an dem neuen Bahndamm
einen Eisenbahnanschluss bekam, Hülchrath blieb so verkehrsmäßig
abgeschnitten.
Die Nationalsozialisten bemächtigten sich des Schlosses und richteten
1937 eine Reichbauernschule und die Aktion „Werwolf“ ein
|