Unser Dorf soll schöner werden

 

 

 

 

Kurzform: Das Leben der Bürger in Hülchrath.

688 Bürger füllen die Schloßstadt-Hülchrath mit Leben. Es gibt drei landwirtschaftliche Betriebe im Vollerwerb, Architekturbüros, eine Werbeagentur, einen Postkartenverlag, ein Konstruktionsbüro, einen Frisiersalon, eine Tankstelle mit Einkaufsmöglichkeiten, einen Reiterhof, Geschäft für Floristikbedarf und ein Künstleratelier. Die Hälfte der Bürger sind in Gemeinschaften und Vereinen organisiert.

Die größte Gemeinschaft ist die katholische Pfarrgemeinde St.-Sebastianus-Hülchrath, gefolgt von der St.-Sebastianus-Schützenbruderschadft 1348 e.V., der katholischen Frauengemeinschaft, der so genannten „Altenstube“, dem Hülchrather Gesangverein, dem Kinderchor, dem Martinskomitee, der freiwilligen Feuerwehr, und der Fußballspielgemeinschaft „Alte Herren“ Hülchrath.

Von diesen Gemeinschaften wird das Dorfleben organisiert. Alljährlich finden Veranstaltungen wie das Pfarrfest, das Schützenfest, das Schützenbiwak, Karnevalveranstaltungen, ein Osterball, Chorkonzerte, Seniorentafeln, und Info-Tage statt. Am Volkstrauertag legt die Bruderschaft mit der freiwilligen Feuerwehr in einer Feierstunde gemeinsam am Ehrenmal einen Kranz nieder.

Es werden Krankenbesuche gemacht und ältere Bürger betreut.

Als Versammlungs und Veranstaltungsraum steht dem Dorf das Sebastianushaus zur Verfügung. Es wird von der katholischen Pfarrgemeinde unterhalten. In ihm befindet sich eine Bücherei, eine Küche, ein großer und ein kleiner Raum. In diesen Räumen bietet die Familienbildung Kurse wie z.B. das Kochen mit Männern, Näh und Strickkurse an. Wenn ein Bürger ein großes Fest feiern möchte, kann er dieses Haus gegen ein kleines Entgeld nutzen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Schützenfest in Hülchrath St. Martin in Hülchrath

Das Hülchrather Schloß befindet sich in Privatbesitz. Es wird saniert und umgebaut für Kultur und Festveranstaltungen. Zur festen Einrichtung gehört ein Schlossfest, ein historischer Jahrmarkt und in diesem Jahr wird es zum ersten Mal einen historischen Weihnachtsmarkt geben.

Die ehemalige Synagoge wird als Begegnungsstätte und Ausstellungsraum genutzt.Im Gastronomiebereich von Hülchrath gibt es „Das kleine Cafe am Schloss“, eine Pizzeria mit Kegelbahn, ein Restaurant mit Biergarten und Fremdenzimmer und eine Gaststätte mit gutbürgerlicher Küche, Kegelbahn und Biergarten. Die Gaststätten und das Restaurant verfügen ebenfalls über Räume, mit bis zu hundert Sitzplätzen.

Im Kindergarten von Hülchrath finden die Kleinkinder eine hervorragende Betreuung.Neben dem Friedhof von Hülchrath befindet sich auch ein Judenfriedhof.Um in Hülchrath einer sportlichen Betätigung nach zu kommen, verfügt Hülchrath über einen Fußballplatz und einer Turnhalle.Der nahe gelegene Wald und die gut angelegten Wege  rund um und in Hülchrath, geben jedem die Gelegenheit sich bei uns wohl zu fühlen.

Herzlich willkommen!

Stadt und Schloß Hülchrath

Hülchrath leitet seinen Namen von einer Rodung im Bereich des Gillgaus ab.1120 ist der Name „Holkerode“, 1206 der Name „Hilkerode“ urkundlich belegt. Beide Formen gehen wahrscheinlich auf einen Personennamen Holko oder Hilko zurück. Der Gillgau selbst wird schon 962 erstmals urkundlich erwähnt.

Der Graf des Gillgaus errichtete seine Burg nahe dem Gillbach wahrscheinlich bereits im 11. Jahrhundert zur Verteidigung seines Gebietes auf einer Motte. Schon 1120 wird sie als „sehr alte und stark befestigte Burg“ erwähnt. Damit ist Schloss Hülchrath über 100 Jahre älter als das Alte Schloss in Grevenbroich.

Nachdem die Grafen von Hülchrath ausgestorben waren, wechselte das Schloss häufig seine Besitzer. 1275 heiratete Dietrich Luf I Lisa, die Witwe des Grafen Heinrich von Kessel aus Grevenbroich. Schon unter seiner Herrschaft erhielt der Ort Hülchrath Stadtrechte. Damit trägt Hülchrath als ältester Stadtteil von Grevenbroich bis heute den Titel „Stadt“. Der Sohn Dietrich Luf II verkaufte 1314 seine Besitzungen mit dem Schloss aus Geldnöten an den Kölner Erzbischof Heinrich von Virneburg.

Der Kölner Erzbischof, der sowohl Bischof als auch Landesherr (Kurfürst) war, sicherte sich mit dem Kauf die Verbindung von Köln zu seinen Besitzungen in Neuss, Kempen und Frimmersdorf (Hochstaden) und bildete ein Bollwerk gegen die Grafen von Jülich-Kleve-Berg mit Amtssitz in Grevenbroich.

Hülchrath selbst wurde Amt mit Gerichtssitz, das von einem Amtmann verwaltet wurde. Hier wurden zwischen 1590 und 1630 Hexen- und andere Gerichtsprozesse durchgeführt. Nicht selten wurden Kölner Bürger in Hülchrath abgeurteilt und mit dem Tode bestraft. Noch heute sagt ein Kölner Sprichwort: „Wer in Hülchrath geht über die Brück‘, kommt selten oder nie zurück“. Die Gerichtsstätte lag außerhalb des Ortes auf den Specker Stöcken, im Schloss befand sich ein Gefängnis.

Um 1323 wurde die Burg ausgebaut und mit Wall und Graben ausgestattet. Der Ort lag bis zum Ende des 16. Jahrhunderts nicht an seiner heutigen Stelle, sondern vor dem alten Torturm der Vorburg, heute Atelier und Wohnung des Künstlers Matthias Hintz. Auf Stichen von Braun-Hogenberg und Merian ist die ursprüngliche Lage des Ortes gut zu erkennen.

1583 trat der Kölner Erzbischof Gebhard Truchseß von Waldburg zur Augsburger Religion über, heiratete Agnes von Mansfeld und zog sich mit ihr auf Schloss Hülchrath zurück. Da er seine Funktion als Landesherr behalten wollte, und Köln protestantisch zu werden drohte, bekam das Ereignis politische Auswirkungen. Von Papst und Kaiser unterstützt, beauftragte das Kölner Domkapitel Chorbischof Friedrich von Sachsen-Lauenburg mit der gewaltsamen Vertreibung des Erzbischofs. Im sog. Truchseß’schen Krieg wurde das Schloss nach siebentägiger Belagerung und Beschuss am 16. März 1583 eingenommen und die Bewohner vertrieben. Das Schloss wurde dabei schwer beschädigt, der alte Ort Hülchrath vollkommen verwüstet.30 Jahre später wurde er an seiner heutigen Stelle neu aufgebaut. Sein quadratischer Grundriss ist noch gut zu erkennen, insbesondere durch die Straßenführung und die Aufteilung der Gärten.

Bewohner für den neu entstandenen Ort (Hülchraths zweite Gründung) wurden angeworben. Sie erhielten für diese Besiedlung besondere Freiheiten und Privilegien. Außerdem achtete man darauf, dass viele gesellschaftlichen Schichten vertreten waren.Im 30jährigen Krieg wurden Schloss und Ort mehrfach belagert und zerstört, auch danach war die Burg immer wieder feindlichen Angriffen ausgesetzt. Die Schloss-Anlage verfiel immer mehr und wurde im östlichen Teil zur Ruine.

Es waren die Franzosen, die 1794 das Kurfürstentum Köln auflösten und die 500-jährige Herrschaft der Fürstbischöfe von Köln beendeten. 1803 erwarb die Familie von Pröpper Schloss Hülchrath und bewohnte es bis 1900.Da es im Lauf der Jahrhunderte in Köln immer wieder Judenprogrome gegeben hatte, wurden viele jüdische Mitbürger aus der Stadt vertrieben und siedelten sich im kölnischen Hülchrath an. So entstand im Laufe der Zeit eine jüdische Gemeinde, deren Mitglieder in Hülchrath sehr geachtet waren. Christliche und jüdische Bewohner lebten hier bis zur Zeit des Nationalsozialismus einträchtig zusammen, was sich noch heute an vielen christlichen und jüdischen Symbolen an den Hülchrather Häusern manifestiert. Im 19. Jahrhundert errichteten die Juden in Hülchrath ein Gebetshaus, das durch Verkauf von der Zerstörung bewahrt blieb und vor wenigen Jahren aus Privathand von der Stadt Grevenbroich angekauft und als Kultur- und Begegnungsstätte „Ehemalige Synagoge“ restauriert wurde.

Das Schloss wechselte mehrfach den Besitzer: 1912 erhielt es zeitgleich mit dem Bau der neuen Sebastianuskirche neue Anbauten und einen neoromanischen Innentrakt im Bereich des Schlosshofes.Der erste Weltkrieg verhinderte, dass Hülchrath an dem neuen Bahndamm einen Eisenbahnanschluss bekam, Hülchrath blieb so verkehrsmäßig abgeschnitten.

Die Nationalsozialisten bemächtigten sich des Schlosses und richteten 1937 eine Reichbauernschule und die Aktion „Werwolf“ ein

 

Schloß Hülchrath als sog. Motte um 900  

 

  Schloß Hülchrath mit Vorburg heute

Heutiger Besitzer ist Familie Wennmacher, die im Schloss einen Postkartenverlag betreibt und mit Hilfe der Veranstaltungsagentur Hermida Stromann den Schlossbereich der Öffentlichkeit für private Feste und kulturelle Veranstaltungen zugänglich macht.

Veranstaltungen auf Schloß Hülchrath

 vor einer historischen Kulisse

 in den Räumen desHochschlosses

  oder im Schloßpark

Schloss und Stadt Hülchrath gehören untrennbar zusammen, nicht nur historisch, sondern auch in heutiger Zeit.

Entstanden ist das Schloss zu Wehrzwecken und zur Beherrschung eines unwirtlichen, moorigen Sumpfgebiets. Im Schutz des Schlosses siedelten sich Menschen an, die mit den jeweiligen Besitzern des Schlosses lebten, aber auch mit ihnen litten, wenn das Schloss in Kriegszeiten angegriffen wurde. Es entstand eine Symbiose, die von Geben und Nehmen geprägt war. Trotz des Standesunterschiedes war man gegenseitig voneinander abhängig..

An Schloss und Stadt Hülchrath kann man eine über tausendjährige deutsche und europäische Geschichte „ablesen“ und sie vor allem jungen Menschen verdeutlichen. Bei Führungen interessieren sich die Besucher nicht nur für das Schloss, sondern auch für den Ort. Die Hülchrather sind stolz auf ihren Ort und zeigen ihn Fremden gerne. Viele Bewohner öffnen ihre Häuser und Gärten und stellen dabei fest, dass Besucher nicht neugierig, sondern interessiert das Gesehene aufnehmen.

Hülchrath will kein Museumsdorf sein, aber die Tatsache, dass der historische, denkmalgeschütze Ortkern von den Bewohnern liebevoll gepflegt wird, dass ein reges gesellschaftliches Leben in historischen und modernen Vereinen besteht, zeugt davon, dass man sich der Geschichte bewusst ist und trotzdem ein modernes Leben führt, in dem Gäste immer willkommen sind.

 

Werner Amian, M.A.

 

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